Ein Städtetrip nach Sevilla – Unser Tag 3

Nachdem wir gestern weniger Glück mit unserer Frühstück-Location hatten, landeten wir heute wieder einen Volltreffer. Das Almazen Café befand sich ganz in der Näher unserer Wohnung und bot eine schöne Auswahl an verschiedenen Frühstücks-Optionen. Gut gestärkt machten wir uns dann auf den Weg zum Real Alcázar, dem Königspalast von Sevilla.

Die Tickets hatten wir gestern schon online gebucht. Das wird überall empfohlen und erschien uns aufgrund der meist langen Schlangen zu jeder erdenklichen Tageszeit auch sinnvoll. Uns wurde 11:00h als Slot zugeteilt… und noch während wir warteten, wurde uns bewusst, warum es auf dem Vorplatz immer so voll war. Jeder Besucher musste durch eine kleine Sicherheitskontrolle (Metalldetektor) und seine Tasche scannen lassen. Das Ganze wurde an unserem Besuchstag von genau einer Person betreut, sorgte also entsprechend für ein wenig Verzögerung.

Perfektes Programm für schlechtes Wetter

Wir hatten in den letzten Tagen echt Glück mit dem Wetter gehabt. Auch wenn es nur sehr selten sonnig war, ist es immerhin trocken geblieben. Das änderte sich heute dann. Glück hatten wir in dem Sinne trotzdem, denn mit dem Königspalast hatten wir ja hauptsächlich eine Aktivität für drinnen geplant. Die Gärten des Palastes waren allerdings ein Highlight, das uns heute verwehrt bleiben sollte. Aufgrund von Regen und Wind wurden diese leider für Besucher geschlossen.

Nachdem wir den Innenhof des Palastes betreten hatten, orientierten wir uns nach rechts in das erste Gebäude hinein. Meine Euphorie wich dann kurzzeitig, als die ersten Räume hauptsächlich aus Ausstellungen alter Fliesen-Elementen bestanden. Aber natürlich hatte der große Palast-Komplex noch weitaus mehr zu bieten! Auch hier, wie eigentlich überall in Sevilla, wird die spannende Geschichte der Stadt deutlich, die im letzten Jahrtausend vielen verschiedenen Einflüssen unterlag.

Die Mauren, dann die Christen und die Zeitalter der Renaissance und des Barock haben ihre unverkennbaren Akzente hinterlassen, seit ca. 913 der Grundstein für den Palast gelegt wurde. Der Gebäudekomplex ist über die Jahrhunderte immer wieder erweitert worden, was man natürlich auch sieht. Und auch wenn die verschiedenen Stile oft gegensätzlich wirken, ergibt sich doch auch immer irgendwie ein harmonisches Gesamtbild.

Seit 1987 ist der Real Alcázer inklusive seiner Gärten sogar UNESCO Weltkulturerbe. Die Gärten konnten wir aufgrund des Wetter heute leider nicht besichtigen. Zum Glück hat man wenigstens immer wieder einen netten Blick durch die Fenster oder über kleine Balkone nach draußen. Oder man findet ein unverschlossenes Tor, dass sich unbemerkt und ganz einfach aufschieben lässt. So konnten wir wenigstens noch eine kleine Ecke der Gärten genießen, bis wir und die anderen Besucher wieder zurück beordert wurden.

Von Zofen, Jungfrauen und Puppen

Eine Besonderheit sind die offenen Innenhöfe. Beispielsweise der Patio de las Muñecas (Hof der Puppen) oder der Patio de las Doncellas (Hof der Zofen/Jungfrauen). Hier sind oft Springbrunnen, Teiche oder andere Anlagen mit Wasser zu finden, genau so wie kleine Bäume und Pflanzen. Als wären die prunkvoll verzierten Rundbögen und Wände nicht genug, kommen so noch weitere, diesmal lebendige, Deko-Elemente hinzu.

Ein weiteres Highlight sind auch immer wieder die weitläufigen Arkadengänge. Die einzelnen Abschnittes des Palastes sind ausnahmslos aufwendig gestaltet und verziert. Und auch wenn ich am Anfang noch skeptisch war: Nicht hinter Glas, sondern ganz normal an den Wänden oder auf dem Boden, sind die Fliesen ausgesprochen interessant und tragen eine angenehme Wärme zur Atmosphäre bei.

In den großen Räumen des Palastes finden sich darüber hinaus noch viele Gemälde, Wandteppiche und antike Möbel, die den Stil-Mix fortsetzen. Alles in allem ist der Alcázar von Sevilla auf jeden Fall einen Besuch wert! Bei mehrere Tagen Aufenthalt sollte man aber im Vorfeld auf Nummer sicher gehen, dass die Gärten auch geöffnet sind.

Online reserviert liege die Tickets pro Person bei 12,50€. Das ist zwar nicht unbedingt günstig, aber preislich immer noch im Rahmen. Besucht man also, wie wir an unserem zweiten Tag, die Kathedrale und den Alcázar, hat man etwa 22€ für Eintritte ausgegeben. Hinzu kamen die Trinkgelder der „Heart of Sevilla“ Free Tours und der Bootstour (ca. 16€), ansonsten gaben wir ausschließlich Geld für Essen, Trinken und Unterkunft aus. Sevilla war für uns also eine verhältnismäßig günstige Stadt einen Kurztrip.

Kirchen-Kombiticket

Im Eintritt für die Kathedrale ist auch der Besuch der Iglesia del Devino Salvador inbegriffen. Da dieses Kombi-Ticket auch immer für zwei Tage gültig ist, kann man die Besichtigung beider Bauwerke super in einen Kurztrip integrieren, ohne zu viel Zeit innerhalb von Gebäuden zu verbringen. Jedenfalls wollten wir uns so oft wie möglich draußen aufhalten und das Wetter genießen.

Während unseres Besuchs im Königspalast klarte das Wetter dann auch wieder auf. Wir fragten noch mal nach, aber die Gärten des Palastes würden heute tatsächlich den ganzen Tag geschlossen bleiben. So genossen wir stattdessen den kurzen Spaziergang zu unserem nächsten Ziel, der Iglesia del Devino Salvador.

Betritt man dann die Iglesia del Divino Salvador, ist man erstmal ein wenig erschlagen. Sie beherbergt viele Elemente des Barocks, der sich durch viele prunkvolle Verzierungen und Details auszeichnet. Neben „prunk“ ist auch „protz“ eine passende Beschreibung für Kirchen aus dem Barock. Ich denke, die folgenden Bilder sprechen für sich.

Dieser Kirche sieht man tatsächlich eher weniger an, dass sie ebenfalls auf den Grundmauern einer alten Moschee errichtet wurde und auch nach der Rückeroberung der Christen im Jahre 1248 lange so genutzt werden durfte. Erst circa 100 Jahre später begannen die Umbauarbeiten zu einem christlichen Gotteshaus.

Gold & Details wohin das Auge reicht

Ich finde es immer wieder beeindruckend, wie viel Detailtreue und Liebe insbesondere in solche religiösen Bauten (im wahrsten Sinne des Wortes) investiert werden. Sicher zeichnet dies den Barock aus, aber macht man sich die zur Verfügung stehenden Mittel zur damaligen Zeit bewusst, ist dies umso bemerkenswerter. Insbesondere die Deckengemälde über dem Altar und die Altar-Verzierungen sind so detailreich und prunkvoll, dass man sich kaum satt sieht.

Nach so vielen Eindrücken war erstmal wieder Entspannung angesagt. Wir besorgten uns eine Kleinigkeit zu essen und legten dann in unserer Wohnung ein wenig die Füße hoch. Schließlich wollten auch unsere restlichen Einkäufe und der letzte Wein noch vernichtet werden. Danach wartete noch ein weiteres kleines Highlight auf uns: Da uns die erste Heart of Sevilla-Tour am Montag so gut gefallen hatte, buchten wir spontan eine Zweite für heute Abend.

Legends & Mysteries of Sevilla

Heute war es an der Zeit, ein wenig mehr über die Legenden und mystischen Geschichten dieser Stadt zu erfahren. Wir trafen uns am Torre del Oro mit unserem Guide Nuria. Nuria war ähnlich enthusiastisch wie unser Guide von Montag und hatte sichtlich Spaß an diesen Touren. Ihre Tour war gespickt mit kleinen Anekdoten und lustigen Geschichten, ebenso wie mit wirklich wissenswerte Infos zur Geschichte der Stadt.

Nach der Tour überzeugte Nuria uns, doch lieber Tapas statt Paella essen zu gehen. Ihr Hinweis, dass Paella nicht traditionell für diese südliche Region von Spanien war, und dass sie danach von tollen Tapas-Restaurants schwärmte, war dann für uns Grund genug. Sie empfahl uns die Bodega Santa Cruz, wo es aber leider ein wenig zu voll war, als dass wir in absehbarer Zeit zumindest einen Stehplatz hätten ergattern können.

Stattdessen kehrten wir bei ihrem zweiten Tipp ein, der sich nur ein paar Meter entfernt befand: Das Alvaro Peregil. Beide Läden liegen an der Calle Mateos Gago, wir wir zuvor auch schon einige Male gut essen waren. Wir folgten ihrer Empfehlung uns bestellten einen Orangen-Wein (ähnlich wie Sherry), der so süß war, dass er uns erstmal die Schuhe auszog. Er schmeckte tatsächlich sehr lecker, aber viel mehr als dieses kleine Gläschen hätte ich davon nicht trinken können.

Die Tapas und der Wein hier waren sehr lecker und so wurde es ein schöner letzter Abend, bevor es morgen wieder nach Hause ging. Der Inhaber gab uns noch einen „Vino de chocolate“ aus (ähnliches Gefühl wie beim Vino de Naranja: super süß aber irgendwie auch lecker) und so machten wir uns beschwingt auf den Weg nach Hause.

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