Portugal #4 – Aveiro und die Costa Nova

Der zweite Tagesausflug, den ich während meines Urlaubs in Porto geplant hatte, sollte mich nach Aveiro führen. Genau wie Braga, wo ich einen Tag vorher war, ist auch Aveiro sehr günstig an das Regionalbahn-Netz von Porto angebunden. Ich lud also meine CP-Karte mit zwei Verbindungen auf (3,55€ pro Strecke) und machte es mir am Fenster bequem.

Die Strecke nach Aveiro führt zwar kurz an der Atlantikküste entlang, bevor es eher durchs Landesinnere geht, ist aber ansonsten nicht sonderlich sehenswert. Auf dem Weg nach Braga habe ich gerne aus dem Fenster gesehen, aber jetzt scrolle ich lieber ein wenig durchs Handy und machte ein paar Pläne für später.

Ich empfand es sowieso als großen Vorteil, dass Urlaub innerhalb der EU so unkompliziert war. Die gleiche Währung (fast) überall, der Handyvertrag inkl. Roaming verursacht keine Extra-Kosten und man benötigt keine weitere SIM-Karte… Die Netzabdeckung in Portugal war sogar während der Bahnfahrten (und überall sonst) deutlich besser und schneller als in Deutschland.

Es gibt keine zweite Chance für einen guten ersten Eindruck

Oder vielleicht doch. Mein erster Eindruck von Aveiro war jedenfalls recht ernüchternd. Vom Bahnhof aus war man direkt an der Avenida Dr. Lourenço Peixinho, einer großen und geschäftigen Straße, die ins Stadtzentrum führte. Sie selbst ist mit Sicherheit kein Aushängeschild der Stadt, man muss schon links oder rechts abbiegen, um die schönen Ecken zu finden.

Ich war jedenfalls etwas verwirrt. Aveiro war in Berichten die ich zuvor gelesen hatte wahnsinnig gelobt worden, aber selbst ein erster Abstecher an die Kanäle, die die Stadt durchzogen, war wenig begeisternd. War der Ausflug hierher also doch weniger lohnenswert, als gedacht?

Glücklicherweise wendete sich das Blatt, nachdem ich einige Male richtig abgebogen war. Ich schlenderte am Canal Central entlang und lief dann zur Paróquia Vera Cruz. Die Kirche war zwar recht klein, die Ausstaffierung des Altars war aber umso beeindruckender. Die aufwendigen Holzschnitzereien und Verzierungen wirkten massiv und filigran zugleich. Dort fand ich auch ein schönes Viertel mit Cafés und Restaurants.

Fliegende Kuchen und bestechliche Heilige

Durch Zufall wohnte ich einem kleinen Spektakel an der Capela de São Gonçalinho bei. Auf dem Dach der Kirche standen viele Jugendliche und warfen etwas hinunter, was ich später als Cavacas ausmachen konnte. Die Facebook-Seite der Gemeinde gibt ein wenig Aufschluss über das, was dort passierte:

A segunda-feira dos festejos de São Gonçalinho voltou a ser dedicada aos mais novos. Para este ano, a mordomia reservou cerca de 1.750 cavacas para distribuir pelas crianças das escolas do concelho (do 1.o Ciclo e ATL) que se inscreveram nes­ta actividade.

Der Montag der São Gonçalinho-Feierlichkeiten war wieder den Jüngsten gewidmet. Für dieses Jahr hat die Schulleitung etwa 1.750 Cavacas reserviert, um sie an die Kinder der Schulen in der Gemeinde (1. Zyklus und ATL) zu verteilen, die sich für diese Aktivität angemeldet haben.

https://tinyurl.com/sgq84n5

Die Feierlichkeiten scheinen eine lange Tradition zu haben- die meisten Schaulustigen kamen jedenfalls vorbereitet. Einige brachten Fangnetze oder große Regenschirme mit, die sie umgedreht als Fanghilfe für die Brote nutzten. Ich ergatterte auch ein Stück, konnte die Begeisterung aber nicht wirklich teilen… Für mich war es nur ein harter Kuchen, der nach wenig schmeckte.

Dass der Genuss hierbei nicht im Vordergrund stand, finde ich noch über eine andere Seite heraus. Witzig, was man durch Zufall alles erlebte…

Ja, ich gebe es zu: ich versuche dieses Jahr, einen Heiligen mit Kuchen zu bestechen. Wie das geht? Ganz einfach. Ich habe S. Gonçalinho Kuchen versprochen, wenn er meine Wünsche erfüllt. Das ist meine „Promessa“, mein Versprechen. Pro Wunsch 25 kg trockene Kuchen mit Zuckerguß, die „Cavacas“. Und dass, obwohl ich nicht mal dran glaube. Aber auf der anderen Seite – was soll´s, schaden kann es nicht. Schließlich habe ich nichts zu verlieren. (Annegret Heinold)

https://entdecken-sie-algarve.com/leben-in-pt/cavacas-promessas

Die schönen Seiten der Stadt

Aveiro ist von einigen Kanälen durchzogen, durch die man auch kleine Bootstouren buchen kann. Für Shopping-Lustige gibt es mit dem „Forum“ auch einen beeindruckenden Einkaufs-Tempel. Zudem findet man viele nette Fußgängerzonen und kleine Grünanlagen südlich des Canal Central.

Meine kleine Mittagspause machte ich am Jardim do Rossio. Ich wollte hier unbedingt eine kleine und für die Stadt typische Süßigkeit zu probieren: Die Ovos Moles de Aveiro. Die Füllung der Oblaten, die in verschiedene Formen gepresst werden, besteht fast ausschließlich aus Eigelb und Zucker. Eine Spezialität, die hier in einem Kloster entwickelt wurde.

Ovos Moles de Aveiro

Ich erwartete nicht viel (konnte diese Eigelb-Masse wirklich schmecken?), wurde aber wirklich positiv überrascht. Meine beiden Probierstückchen waren total lecker! Also keine falsche Scheu, falls mal jemand in die Versuchung kommen sollte…

Danach schlenderte ich über die Rua dos Combatentes da Grande Guerra und verschiedene Fußgängerzonen bis zur Sé Catedral de Aveiro (Igreja de São Domingos). Wenn auch teilweise üppig mit verschiedenen Fliesenmotiven verziert, wird man hier nicht so sehr erschlagen von Holzschnitzereien oder anderem Schmuck.

Sehenswert, wenn natürlich auch etwas makaber und nur mit dem nötigen Respekt machbar, ist der nahegelegene Cemitério Central de Aveiro. Beeindruckend waren vor allem die Grüfte ringsum, in denen ganze Särge und die jeweiligen Fotos der Verstorbenen standen… So etwas hatte ich hier zu Hause so offen noch nicht oft gesehen.

Costa Nova

Aveiro war unter anderem eines meiner Ziele für Tagesausflüge geworden, weil man von hier an die schönen Strände von Costa Nova oder Barra fahren konnte. Ich entschied mich für Costa Nova, da dort diese netten bunten Strandhäuser stehen sollten und wurde nicht enttäuscht.

Der Bus, der hier heraus fuhr, wird allerdings privat betrieben. Normalerweise konnte ich bei Google Maps immer auf die entsprechende Bushaltestelle tippen und bekam die nächsten Verbindungen angezeigt, ohne mich durch portugiesische Websites suchen zu müssen. Da das hier nicht funktionierte, haderte ich schon mit meinem Schicksal- sollte ausgerechnet heute keine Möglichkeit bestehen, an die Küste zu fahren?!

Aber ich hatte Glück- während ich noch mit Google Translate und der Seite von transdev.pt suchte, hielt ein hübscher Reisebus mit Ziel „Costa Nova“ vor mir. Glück musste der Mensch haben!

Ich schlenderte also knapp 40 Minuten später die Promenade von Costa Nova entlang und freute mich, als sogar ein wenig sie Sonne heraus kam. Leider war das Wetter heute nicht so gut, wie in den letzten Tagen. Zu dieser Jahreszeit (Mitte Januar) konnte ich aber froh sein, wenn es überhaupt trocken war und da hatte ich wirklich mehr als Glück gehabt.

Aufs Meer gucken

Wie ich schon bei meinem Ausflug vor ein paar Tagen an die Küste von Foz de Douro geschrieben hatte, war ich bei der Wahl meines Urlaubs- oder Tagesziele recht anspruchslos: Bestenfalls war Wasser involviert, gerne in Form von Strand und Meer, und ich war stundenlang beschäftigt.

„Stundenlang“ hielt ich mich in Costa Nova allerdings nicht auf, auch wenn man das hier auf jeden Fall konnte. Der Leuchtturm von Barra war sicher ein schönes Ziel für einen langen Strandspaziergang. Ich kam allerdings leider nicht so weit… kleine Lustige Geschichte zum Abschluss? Bitte…

Ich zog am Strand die Schuhe aus und tastete mich mit den Füßen in die Brandung. Leider musste ich feststellen, dass so eine Kamera, wenn man nicht aufs Meer, sondern seitlich den Strand hinunter fotografiert, das Sichtfeld doch sehr einschränkt… Denn während ich Foto Nummer zwei hier aus der nächsten Reihe schoss, rauschte eine große Welle heran und zwang mich in die Knie. Selbst meine Schuhe wurden noch etwas weiter weggespült, auch wenn ich sie locker 10 Meter entfernt vom Wasser im trockenen Sand abgestellt hatte… So weit waren die Wellen bisher bei weitem nicht reingekommen!

Die Erkenntnis nützte mir jetzt natürlich auch nichts… Nass bis zur Hüfte, herzlichen Glückwunsch! So war es dann leider keine Frage, wie lange ich noch am Meer bleiben würde. Ich suchte mir die nächste Verbindung heraus und versuchte noch ein bisschen zu trocknen, bis ich hoffentlich vom nächsten Busfahrer mitgenommen wurde.

Die Rückfahrt war dann zwar langwierig, aber trotz der nassen Klamotten und des vielen Sands kein Problem. Allerdings war ich überglücklich, als ich nach knapp drei Stunden wieder zurück in der Pension war…

Trotzdem hatte sich der Ausflug absolut gelohnt! Aveiro und die naheliegende Küste waren wirklich einen Besuch wert. Hier gab es offenbar auch einen wirklich schönen Campingplatz- vielleicht würde ich ja sogar noch mal mit dem Auto eine kleine Rundtour durch Spanien und Portugal machen und zurück kommen?


Fliesen von Aveiro

Am Ende meiner Portugal-Beiträge füge ich immer eine kleine Auswahl der schönsten Häuser-Fassaden ein.

In Aveiro fand ich so viele schöne Häuserfassaden, dass ich mich nicht (wie sonst) für fünf Fliesen-Muster entscheiden konnte. Deswegen gibt es hier also meine zehn Lieblings-Fliesen von heute:

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