Australien #11 – Melbourne

Nach Sydney sollte heute Melbourne als nächste Großstadt auf unserem Plan stehen. Dazu suchten wir uns einen Stellplatz in der Nähe mit guter Anbindung an den ÖPNV und fuhren gegen Nachmittag los. Das Wetter war warm und sonnig, also standen uns alle Möglichkeiten offen, die Stadt zu erkunden. Zuerst machen wir einen Abstecher in die Hozier Lane, wo wir einige Zeit damit verbrachten, die dortigen aufwendigen Graffitis zu studieren. Viele von ihnen beschäftigten sich mit der Kultur der Aborigines oder zeigten gesellschaftskritische Themen, was einen zum längeren Verweilen einlud.

Da wir uns nicht direkt entscheiden konnten, wohin unser Weg als nächstes führen sollte, suchten wir die Straßenbahn. In Melbourne gibt es die Circle Line, eine alte Straßenbahnlinie, die einmal die Innenstadt umrundet und sogar kostenlos fährt. Sie funktioniert eigentlich wie eine Hop-on-hop-off-Sightseeingtour. Zu den einzelnen Haltestellen wird sogar eine Bandabsage abgespielt, welche Sehenswürdigkeiten oder Besonderheiten sich dort befinden.

Dockland & Innenstadt

Zuerst machten wir es uns in einem netten Restaurant an den Docklands gemütlich. Bei kühlem Bier und Cider ließen wir den Blick über das Wasser und das Etihad Stadium gleiten und genossen den Schatten hier. Gut gestärkt von den Mac&Cheese-Kroketten, die wir als Kleinigkeit geordert hatten, stürzten wir uns mitten rein in Melbournes Innenstadt. Wir schlenderten zum Beispiel über die Elisabeth Street und diverse Nebenstraßen, die uns einen guten Eindruck dieser geschäftigen Stadt vermittelten. Wir nutzen die Shoppingmeilen insbesondere für das kaufen von Souvenirs und später auch für einen kurzen Einkauf, bevor sich unser erster Ausflug auch schon dem Ende neigte.

Ich weiß nicht genau, was ich erwartet hatte, aber so wirklich sagte mir die Stadt nicht zu. Vielleicht lag es auch daran, dass wir jetzt fast eineinhalb Wochen lang (von Sydney abgesehen) kaum in großen Städten unterwegs waren. Das wuselige Großstadttreiben war also das krasse Gegenteil dazu. Vielleicht hatten wir auch noch nicht die richtigen Ecken gefunden, aber für heute fuhren wir erstmal wieder zurück zum Campingplatz.

Markttreiben & Strandspaziergang

Am nächsten Tag fuhren wir auf dem Weg nach Torquay doch noch einmal nach Melbourne rein. Wir wollten uns den Queen Victoria Market ansehen und noch einen Abstecher an die Bucht von Port Phillip machen. Auch das Fahren in Melbourne war dann wesentlich nervenaufreibender als in den Tagen zuvor: Zuerst führte unser Navi uns völlig ohne Not über eine unbefestigte Ruckelpiste und dann, notwendigerweise, über sechs- bis achtspurige Straßen. Wir waren aus den letzten Tagen höchstens eine Spur gewohnt und insgesamt wesentlich weniger Verkehrsaufkommen 😉

Der Queen Victoria Market galt als eine der Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt. In der überdachten, aber ansonsten offenen, Halle gaben sich dann eher Touristen-Fänger und Händler die Ehre. Vereinzelt fand sich zwischendurch der eine oder andere interessantere Stand, aber im Vergleich zu dem hochwertigen Künstler-Markt in Sydney, verbrachten wir hier kaum Zeit. Anders sah eh dann im großen Marktgebäude aus, das die ganzen Lebensmittelhändler beherbergte. Die Auswahl an Obst, Gemüse, Käse, Fisch und Fleisch war ebenso beeindruckend, wie sie frisch und von guter Qualität schien. Ließ man also den touristischen Teil hinter sich, konnte man preiswert die eine oder andere Delikatesse einkaufen und sich von der Vielfalt des frischen Angebots inspirieren lassen.

Als letzten Zwischenstopp in Melbourne fuhren wir zum Princes Pier. Hier hatten wir einen super Blick über die Bucht von Port Phillip und waren überrascht von dem schönen Strand nebenan. Auch die Pier an sich, mit ihren alten massiven Holzpfählen, war sehenswert und lud zum picknicken oder spazieren ein. Erstaunlich eigentlich, dass wir von diesem schönen Fleck bisher so gar nichts gehört hatten, da könnte man wesentlich mehr draus machen!

Platt wie eine Flunder…

Melbourne entließ uns noch mit einem lustigen Zwischenfall. Zuerst hatten wir uns noch geärgert, dass uns das Navi ohne offensichtlichen Grund im Kreis führte, aber das sollte sein Grund haben. Als wir von der Autobahn abfuhren, um das Navi an der Tankstelle neu einzustellen, wurden wir Zeugen eines Kampfes „David gegen Goliath“. Oder SUV gegen Ferrari. Oder Familienmutti gegen Prollwagenfahrer.

Wir konnten nicht zu 100% ausmachen, woran es genau lag (vielleicht einfach nur am Anfahren am Berg?), aber der SUV rollte langsam rückwärts und damit direkt auf die Front des Ferraris hinter ihm. Und wenn ich schreibe „auf“, dann meine ich auch „auf“. So flach wie die Front und der gesamte Ferrari gebaut waren, wäre der SUV sicher einmal komplett rückwärts rübergefahren, wenn die Fahrerin nicht gebremst hätte. Der Fahrer des Ferraris sprang wie angestochen aus seinem Auto, das Handy direkt im Anschlag, und drehte fassungslos eine Runde um die Autos, bevor er die Fahrerin zur Rede stellte

Und für mich bestätigte sich folgende Weisheit: In den spannendsten Momenten denkt man nicht daran, zur Kamera zu greifen. Handy, Kamera… wir hatten alles griffbereit, aber das Spektakel war viel zu fesselnd, als dass wir daran dachten. Die Front des Ferraris war jedenfalls dahin und die Fahrerin des SUV dafür viel zu entspannt. Ihr Gedankengang? Wahrscheinlich „Wenn das jetzt schon teuer wird, dann hab ich wenigstens einen Ferrari zerlegt und nicht einen langweiligen Kleinwagen…“

 

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